Der Bankensektor in der Krise – Wozu braucht es Rating-Agenturen

„Wer behauptet, er wüsste, wie sich Staaten entwickeln, der ist ein Scharlatan und Hochstapler.“, behauptet Professor Manfred Gärtner von der Universität St. Gallen. Er hält das Rating von Staaten für hochgradig fahrlässig. Zusammen mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Banker Ulrich Horstmann und Jens Schmidt-Bürgel von der Rating-Agentur Fitch war er Gast beim Liberalen Forum Fünf-Seen-Land.Über die Bankenkrise und die Verantwortung der Rating-Agenturen wurde kontrovers diskutiert. Professor Gärtner hat in seiner Studie festgestellt, dass Rating-Agenturen die Ursache für die Bankenkrise sind. Dies wies Schmidt-Bürgel zurück, denn die Vergabe von AAA basiert auf Einschätzungen, nicht auf wissenschaftlichen Prüfungen. Und wer diesen Einschätzungen folgt, „der hat den Beipackzettel, den die Rating-Agenturen veröffentlichen, nicht richtig gelesen.“, so Schmidt-Bürgel. Interessiert bis amüsiert hörte Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Herren zu, bis sie schließlich selbst das Wort ergriff. „Meine Herren, ich darf sagen, die Politik hat nicht geschlafen und ist auch nicht blöd. Heute tritt ein Gesetz in Kraft, das Rating-Agenturen in die Haftung nimmt.“, brachte sich die Ministerin in die Debatte ein. Gerade die Haftungsfrage lag auch den über 250 Besuchern auf dem Herzen. Wer Einschätzungen veröffentlicht, die weitreichende Konsequenzen haben, muss auch für die Folgen gerade stehen. Rating-Agenturen sollten agieren wie der TÜV bei einer Autoprüfung, das war ein Vorschlag eines Besuchers. Durch das Rating, das von Investoren in Auftrag gegeben wird, sind Staaten wie Griechenland und Irland an den Rand der Insolvenz geraten und auch Deutschland musste durch einen Rettungsschirm Banken retten, um die heimische Wirtschaft vor einem Kollaps zu bewahren. „Wir haben verstanden, wie Ratings und Staatsfinanzen zusammenhängen und dass es einer Trennung zwischen Staatsratings und Wirtschaftsratings bedarf.“, sagte die Kreischefin Sigrid Friedl-Lausenmeyer in ihrem Schlusswort. „Und darüber werden wir dann beim nächsten Mal diskutieren.“


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